Wenn im „Haus für Jung und Alt“ in Meerbeck der Einzug eines neuen Bewohnenden ansteht, stellt sich für Einrichtungsleiterin Daniela Kühl zuerst die folgende Frage: „Wer matcht?“ Gemeint ist, welche Betreuungskraft die richtige sein könnte, weil sie z. B. dieselbe Sprache spricht. „Das machen wir bewusst so, denn es erleichtert den Bewohnenden das Ankommen im neuen Zuhause“, sagt Kühl, „gerade denjenigen mit nicht deutscher Muttersprache.“
Dass das kultursensible Konzept im Meerbecker Seniorenheim der Grafschafter Diakonie funktioniert, zeigt die Geschichte von Bewohner Ivan Becker und Betreuungskraft Julia Dombaev. Denn mit den beiden hat die Einrichtungsleiterin einen Volltreffer gelandet. Julia Dombaev konnte mit Ivan Becker auf Russisch sprechen, ihrer gemeinsamen Muttersprache. Dabei stellten beide fest: Sie stammen aus derselben Stadt in Kasachstan, aus Kustanaj. Zudem verbindet die beiden eine ähnliche Biografie: Senior Ivan Becker kam 1989 nach Deutschland, Julia Dombaev zog 2001 mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Moers. „Dass wir diese Geschichte und Herkunft entdeckt haben, war Zufall, weil Herr Becker erst sehr zurückhaltend war und so gut wie mit niemandem sprechen wollte“, sagt die 34-Jährige. Um das Eis zu brechen, hatte die Fachkraft für Betreuung ein Heimat-Foto aus ihrer Kindheit mitgebracht und Ivan Becker erkannte sofort seine Heimatstadt. Eine Verbindung, die den Betreuungsalltag bis heute prägt: Tee aus dem russischen Supermarkt trinken, russische Gedichte und Lieder per Streamingdienst anhören und beim Spazieren in Richtung Supermarkt Erinnerungen an die Heimat austauschen.
Und das freut Julia Dombaev besonders: „Herr Becker spricht inzwischen ganz selbstverständlich und nimmt auch an den anderen Aktivitäten teil, die wir vom sozialen Dienst am Vormittag anbieten.“
Info: Im „Haus für Jung und Alt“ an der Blücherstraße 2 arbeitet ein Team aus 50 Mitarbeitenden. Aktuell bringen 20 von ihnen einen internationalen Hintergrund mit. In dem Seniorenheim im früheren Bergarbeiterstadtteil Meerbeck leben 42 Personen mit Pflegebedarf.








