Kein Papier, keine Lehrbücher, keine Anmeldung, stattdessen eine weit geöffnete Tür im Gruppenraum der Beratungsstelle der Grafschafter Diakonie am Hochemmericher Markt 1-3. Am Tisch bei türkischem Tee und Kaffee versammelt: Sechs gut gelaunte Rheinhauserinnen, die aus Indien, Syrien, dem Iran und der Türkei stammen, zusammen mit Pädagogin Karola Haderlein und drei Rheinhauser Muttersprachlerinnen von der ehrenamtlichen Geflüchtetenhilfe der Grafschafter Diakonie. Ziel der Runde ist es, zusammen Deutsch sprechen zu üben, die Fremdsprache zu trainieren ohne Kursatmosphäre, ohne Druck aber mit Spaß am Austausch untereinander.
Seit Herbst 2025 treffen sich jeden Montag in der Zeit von 12.30 bis 14.30 Uhr Männer und Frauen mit Fluchtgeschichte am Standort der Grafschafter Diakonie in Rheinhausen, um ihre praktischen Deutschkenntnisse zu trainieren. Geübt wird das ganze Jahr über an insgesamt 50 Montagen mit Ausnahme der Weihnachtstage. Begleitet von einem Kreis von fünf Ehrenamtlichen nutzen rund 50 Personen aus zwölf Herkunftsländern das „Sprachcafé für Jung und Alt“. Die Teilnahme ist unkompliziert geregelt. Wer möchte, kann auch nach Café-Beginn noch dazustoßen oder früher wieder nachhause gehen.
Dass bei den Treffen bis zu 20 Personen den Weg in den ersten Stock der Beratungsstelle finden, freut Karola Haderlein. „Das ist eine Menge und zeigt, dass wir richtig lagen mit der Annahme, dass der Bedarf bei den Rheinhausern mit Zuwanderungsgeschichte groß sein würde.“ Die Idee für das Angebot entstand bereits vor zwei Jahren. Mitarbeitende des Kommunalen Integrationsmanagements (KIM), das ebenfalls am Hochemmericher Markt ansässig ist, sowie der Familienhilfe Sofort Vor Ort der Grafschafter Diakonie gaben die Erfahrung weiter, dass Ratsuchende mit Zuwanderungsgeschichte zwar Sprachkurse besucht und Zertifikate erworben hätten, sich im Alltag aber unsicher in der Fremdsprache fühlten. „Viele sagten: Ich verstehe vieles, aber ich spreche zu wenig“, berichtet die Pädagogin. In den Familien werde in der Herkunftssprache kommuniziert und im Alltag in Rheinhausen gebe es wenige Gelegenheiten, die Sprache anzuwenden.
Genau hier setzt die Methode im Sprachcafé an: Gespräche verbunden mit Begegnung und einer entspannten Atmosphäre, in der die Sprache erprobt werden kann. Das tut die Runde z.B. beim Reden über Themen aus dem Alltag der Teilnehmenden oder mit einfachen Wortspielen. „Wir haben uns aber auch schon über die unterschiedlichen Fastengebräuche in unseren jeweiligen Religionen unterhalten. Das war spannend“, erzählt Karola Haderlein.
Und weil das gemeinsame Üben am Rheinhauser Marktplatz so gut funktioniert, hat die Sprachcafé-Runde ein neues Format kreiert. Das „Sprachcafé on tour“ entstand aus dem gemeinsamen Wunsch, einen Ausflug zu unternehmen. Nach Ostern ging es dafür gemeinsam zum Moerser Schloss mit Führung durch das Gemäuer und anschließendem Picknick auf der Schlossterrasse. Wiederholung ist schon geplant: Ende Mai wird das Sprachcafé erneut einen Ausflug unternehmen.








