Ein sonniger Mai-Nachmittag in der Gemeinschaftsküche der stationären Jugendhilfe der Grafschafter Diakonie an der Moerser Walpurgisstraße: Eine junge Bewohnende hat das Dressing gemixt, eine andere den Salat gemischt. Zusammen überlegen sie, wie der Tisch schön gedeckt werden kann und dann wird gegessen – Die Kochgruppe feiert Erntetag. Denn: für das Menü hatte das Kochteam der Einrichtung erstmals Zutaten aus dem eigenen Hochbeet verwenden können. Frischen, dick gewachsenen Schnittlauch und Knoblauch direkt aus der Erde. Zusammen mit Katja Scharf, Kräuterpädagogin der Einrichtung, sammelten sie in den Monaten zuvor eingegangenen Fensterbank-Schnittlauch und gekeimte Knoblauchzehen aus den Haushalten des Einrichtungsteams. Sie pflanzten die recycelten Setzlinge selbst ein, übernahmen die Pflege und staunten wie aus den Gemüseabfällen nach und nach frische Salatzutaten wurden.
Betreuerin Carina Stelkens glaubt, dass Erfahrungen wie diese für die jungen Erwachsenen wichtig sind: „Wir arbeiten hier daran, dass unsere Bewohnenden Schritt für Schritt die Zuversicht erlangen, dass es gelingen kann, selbst etwas aufzubauen, auch wenn sie sich das vielleicht im Moment noch nicht vorstellen können.“ Hintergrund: In der Einrichtung der Grafschafter Diakonie in Moers-Hülsdonk leben 18 junge Erwachsene und vier junge Väter und Mütter mit Entwicklungsbedarf im emotionalen und sozialen Bereich in Zweier-WGs, Eltern-Kind-Wohnungen oder Einzel-Apartments. Begleitet von Sozialarbeitenden, Erzieherinnen und Erziehern, Heilerziehungspflegenden sowie einer Ökotrophologin trainieren sie Fähigkeiten, die für einen selbstständigen Alltag und das Leben in einer eigenen Wohnung nötig sind. Dazu gehören auch Einkaufen und Kochen. Die Kochgruppe bietet die Einrichtung interessierten Bewohnenden jeden Freitagnachmittag an.
Betreuerin Carina Stelkens, die die Kochgruppe im Wechsel mit zwei Kolleginnen begleitet, kennt die besondere Lebenssituation der jungen Bewohnenden gut. Diese leben mit verschiedenen seelischen Beeinträchtigungen, die oft aufgrund von Traumatisierungen entstanden sind. In der Einrichtung der Grafschafter Diakonie üben sie, Vertrauen aufzubauen, erweitern ihre soziale Fähigkeiten, trainieren ihre Alltagskompetenz und lernen, wie sie ihr Leben mit der Erkrankung meistern können. Einrichtungsleiterin Carina Petrausch ist froh, dass ihr Team Angebote wie diese auf die Beine stellt: „Das Erleben von Selbstwirksamkeit in Kombination mit den guten, verlässlichen Beziehungen zu ihren Betreuenden ist für unsere Bewohnenden immens wichtig, denn das hat ihnen bisher oft gefehlt. Wir bieten ihnen hier einen selbstständigen und gleichzeitig geschützten Rahmen dafür an“, sagt sie.







