Kinder suchtbelasteter Familien nicht alleine lassen

Team der Drogenhilfe Kamp-Lintfort informiert Landtagsabgeordeten René Schneider über „FitKids“-Programm

Melanie Boi erinnert sich noch gut an ein Gespräch mit dem Kind einer Klientin: „Es gab sich die Schuld an der Erkrankung der Mutter“, sagt die Fachkraft der Grafschafter Diakonie, dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Moers. „Wenn das passiert, dann brauchen die Kinder Hilfe.“ Erleichterung bringe es, wenn jemand genau zuhören kann und erklärt, dass die Sucht eine Krankheit ist. Das tat die Pädagogin. Und zusammen schauten die beiden ein Bilderbuch an, das die Geschichte einer Familie erzählt, in der die Eltern unter einer schweren Erkrankung leiden.

Wie sie für die Kinder ihrer Klienten da ist, schilderte Melanie Boi dem Politiker René Schneider. Das Anliegen des Landtagsabgeordneten bei seinem Besuch am 13. September: Etwas über die Arbeit zu erfahren, die die Beratungsstelle an der Friedrich-Heinrich-Allee im Rahmen des „FitKids“-Programms leistet. Seit Herbst 2020 sind die Beratungsstellen der Drogenhilfe in Kamp-Lintfort und Moers zertifizierte „FitKids“-Standorte. Britta Dietrich-Aust, die Leiterin der Drogenhilfe, erklärte das Engagement der Diakonie: „Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder mitleiden. Sie dürfen nicht alleine gelassen werden.“

In Moers und Kamp-Lintfort gibt es aus diesem Grund je eine Fachkraft, die für den Blick auf den Nachwuchs zuständig ist. In jeder Teamsitzung der Drogenhilfe ist die Situation der Kinder ein fester Punkt auf der Tagesordnung. In der Weihnachtszeit gab es ein Café, bei dem Kinder und Eltern zusammen Waffeln backten und im Sommer organisierten die Berater Freikarten für einen Tag im Erlebnisbad. Die Wartebereiche in der Beratungsstelle bekamen kindgerecht umgestaltete Zonen mit Spielmöglichkeiten und Bilderbüchern. Zusätzlich bauten die Berater die Kooperation mit dem Jugendamt aus, damit die Familien leichteren Zugang zu Hilfen für ihren Nachwuchs erhalten.

(v.l.) Melanie Boi (Drogenhilfe), René Schneider (Landtagsabgeordneter), Monika Schremm (Drogenhilfe), Britta Dietrich-Aust (Leiterin Drogenhilfe), Anneke van der Veen (Geschäftsbereichsleiterin Gesundheit und Soziales)

Die Beratungsstelle in Kamp-Lintfort (Friedrich-Heinrich-Allee 20) kümmerte sich im Jahr 2020 um 307 Klienten. In den betroffenen Familien leben 64 Kinder.
Das „FitKids“-Qualitätssiegel hat die Drogenhilfe nach einem dreijährigen Coaching durch den Verein „Information und Hilfe in Drogenfragen“ erhalten.

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