Hören, sehen, riechen, schmecken: Demenzkranke erkunden das Schlossmuseum

25.09.2018 14:35

„Schokolade!“, „Erdbeere!“, „Vanille!“: Die Antwort auf die Frage nach dem Lieblingseis der Kindheit haben die meisten gleich parat. In die Töne des alten Schlager-Klassikers stimmen die Seniorinnen und Senioren spontan mit ein. Kunsttherapeutin Sigrid Nikel-Bronner zeigt sich zufrieden mit dieser Reaktion: „Ich freue mich über die Lebendigkeit, die Freude und das Lachen. Es zeigt, dass wir die richtigen Türen öffnen konnten.“ Albert Sturtz, Fachberater Demenz der Grafschafter Diakonie und beratendes Mitglied der Alzheimergesellschaft, wundert sich nicht über den Effekt: „Die Erinnerungen an frühere Gefühle und Sinneseindrücke bleiben bei Menschen mit Demenz am längsten erhalten.“ Die zwölf Männer und Frauen haben in der Eisaustellung im Museum im Moerser Schloss Platz genommen. Weil sie an Demenz erkrankt sind, lässt sie ihr Gedächtnis mehr und mehr im Stich. Doch beim Riechen und Schmecken der Eissorten werden prompt Erinnerungen wach.

Alzheimergesellschaft organisiert Veranstaltungsreihe „Mit Kulturgeschichte in die Gegenwart“

Zum Weltalzheimertag haben die Alzheimergesellschaft und das Museum im Moerser Schloss ein gemeinsames Projekt gestartet. Um Erinnerungen zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Anfassen geht es bei der Veranstaltungsreihe „Mit Kulturgeschichte in die Gegenwart“ für die erkrankten Seniorinnen und Senioren zusammen mit ihren Angehörigen. Museumsleiterin Diana Finkele ist mit dem Grafschafter Museum gerne Projektpartner: „Wir freuen uns, den dementiell veränderten Menschen und ihren Angehörigen die Gelegenheit geben zu können, sich an Altes zu erinnern und vielleicht Neues zu entdecken.“

Vier weitere Treffen wird es nach dem Start am 20. September an fünf aufeinanderfolgenden Donnerstagvormittagen geben. Der Ablauf folgt dabei einem festen Ritual. Zu Beginn sitzt die Runde bei Kaffee und Keksen zusammen. Dann machen sich alle auf Entdeckungsreise. Nach dem Eiscafé werden weitere Bereiche des Museums, z.B. der original Hoerstgener Kaufmannsladen, die historische Küche oder die Puppenstube, erkundet. „Für die Erkrankten ist es wichtig, dass sie immer den gleichen Ablauf erleben und dieselben Gesichter sehen. Das schafft die Sicherheit, die nötig ist, um das Alte neu entdecken und sich erinnern zu können“, sagt Albert Sturtz.


 

Info: Ein Wiedersehen der Teilnehmer wird es am 12. Dezember geben. Dann sind die Seniorinnen und Senioren zum Fachtag „Auf alten Spuren zu neuen Wegen“ in das Grafschafter Museum eingeladen. Von den im Rahmen des Projekts gewonnenen Erfahrungen können Mitarbeiter anderer Museen sowie Pflegekräfte und Männer und Frauen profitieren, die als Alltagsbegleiter für Menschen mit Demenz da sind. In Workshops erfahren sie von den gemachten Erfahrungen, erhalten praktische Anregungen und bekommen Methoden an die Hand, wie sie diese im Pflegealltag umsetzen können.

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